Z6
Z6 2015

Jugendzentrum

1971 als kirchliches Jugendzentrum in der Zollerstrasse 6 entstanden

1974 Gründung des "Vereins zur Förderung des Jugendzentrums Z6" und Anmietung des Kellers in der Andreas Hoferstrasse 11

1985 Übersiedelung in das Forumkino in der Dreiheiligenstrasse 9, besteht noch (2017)

2005 Namensänderung des "Jugendzentrums Z6" in "Zentrum für Jugendarbeit z6"

Jugendzentrum Z6
Das Jugendzentrum z6 ist seit seinen Anfängen ein Ausgangs- und Kulminationspunkt für viele Szenen, Projekte und neue Impulse in der Stadt Innsbruck. Im Zentrum stehen immer die Interessen der Jugendlichen zu vertreten.

Der Beginn des z6 kann mit 1968 datiert werden. Damals ist der Pfarrer Meinrad Schumacher als Stadtjugendseelsorger beauftragt. Es gibt in Innsbruck kaum Angebote für junge Menschen, deshalb versucht er 1969 die verschiedenen Jugendlichen in den Stadtteilen der Stadt Innsbruck über die „Aktion 14“ zu erreichen. Schumacher zielt in der Zeit der „Schulentlasstagen“ auf die 14-15-jährigen Schulabgänger_innen ab, die vor ihrem Einstieg ins Berufsleben stehen. Im selben Jahr entsteht in Pradl der „Mädchenclub“, der auch als die Geburtsstunde der offenen Jugendarbeit des Z6 gesehen werden kann. In der Folge wird der Treffpunkt „Club 4/5/6“ am Domplatz 9 eröffnet. In dieser Zeit entsteht der Wunsch bei vielen Jugendlichen nach etwas Größerem, an einem Ort, an dem sich die verschiedenen Gruppen von Jugendlichen treffen können.

Schumacher kann über Bischof Paulus Rusch ein leerstehendes Jugendheim der Pfarre Wilten für seine Vorhaben gewinnen und ein christliches Jugendzentrum in der Zollerstraße 6 errichten. Noch heute verweist der Name z6 darauf. Die Zielgruppe sind vor allem Jugendliche aus dem Arbeitermilieu, ganz in Gegensatz zum Kennedyhaus der Marianischen Kongregation, welches auch als die MK bekannt ist. Denn diese richtet sich vor allem an Mittelschüler_innen. In der Zollerstraße bleibt das z6 vier Jahre. Inzwischen gewinnt das z6 an so großer Popularität, dass zeitweise über 500 Jugendliche das Jugendzentrum besuchen. Doch 1974 beschliesst der gleiche Bischof, der die Örtlichkeit ermöglichte, die Schlösser des z6 auszutauschen. Ihm passte nicht welche Jugendlichen dort verkehren. Denn das Engagement von Schumacher für Randgruppen und sozial gefährdete Jugendliche ist nicht nur ihm, sondern vielen Katholik_innen ein Dorn in Auge. Deshalb wird der Entschluss gefasst, einen weltlichen Verein als Träger der Einrichtung zu gründen.

Unter der neuen Leitung von Jussuf Windischer und neuer Adresse findet das Z6 in einer ehemaligen Backstube im Keller der Andreas-Hofer-Straße 11 ein neues Zuhause für viele Jugendliche in Innsbruck und Umgebung: Arbeiterjugend, Hippies, Rocker, Jugendliche aus kirchennahen Kreisen und eine sehr politische linke Szene kommen hier zusammen. Neben den bereits 1972 aus dem z6 entstandenen KIT (Kontakt, Information, Therapie), einer Therapieeinrichtung für Drogenabhängige, kommt es 1975 zur Gründung des DOWAS (Durchgangsort für Wohnungs- und Arbeitssuchende). Als Nachfolger von Jussuf Windischer folgt Manfred Steinlechner.

Anfang der 1980er kommt es zu einem neuen Selbstbewusstsein der Innsbrucker Sozial- und Kulturlandschaft. Neben dem z6 und der MK schließen sich das KOMM, der Cinematograph sowie das Eltern-Kind Zentrum zum Sozialforum zusammen, um gemeinsam für eine gesicherte Finanzierung und Räumlichkeiten zu kämpfen. Doch erst 1983 folgt die politische Unterstützung und das z6 kann in das ehemalige Forum Kino in der Dreiheiligenstraße 9 einziehen, wo es heute noch beheimatet ist. Zuvor müssen die neuen Räumlichkeiten noch adaptiert werden, damit man 1985 endgültig das neue Jugendzentrum beziehen kann. Neben dem Umzug entstehen in dieser Zeit unter der Leitung von Franz Hießböck weitere Initiativen: Die Insieme Einrichtungen, mit dem Ziel, langzeitarbeitslose Jugendliche zu unterstützen, zu denen unter anderem die Philippine, ein vegetarisches Restaurant in der Müllerstraße, sowie das Schenk und Spiel, ein Geschenksladen (der zuvor als z6 Laden in der Leopoldstraße bekannt war) gehören.

Mit den neuen Räumlichkeiten etabliert sich eine Gruppe von DJs, die vor allem mit der „Cosmic Music“, welche umgangssprachlich als „Afro“ bekannt wird, und die Disco Galaxy gründet. Nachdem Arthur Habicher als Leiter Hießböck nachfolgt, wird dieser 1988 von Christof Gstrein ersetzt. In den 1990er Jahren ändert sich das Publikum des z6 deutlich. Schon unter der Leitung von Michael Klingseis ist spürbar, dass es zu einer Veränderung kommt und Jugendliche das Haus für sich in Anspruch nehmen, die zuvor dort nicht waren. Es sind Jugendliche, deren Eltern als Gastarbeiter_innen nach Österreich gekommen waren. Sie entdecken das z6 für sich und stellen später die zentralen Tanz- und Discogruppen im Jugendzentrum.

In den späten 1990er Jahren eröffnet das Kollektiv Grauzone im z6 einen Infoladen. Es folgen verschiedene Phasen, mit unterschiedliche Gruppen. Projekte wie das z6 Streetwork und MDA Basecamp entstehen ebenso in den 1990er Jahren. Das z6 Jugendzentrum ist heute noch ein wichtiger Ort für Jugendliche in Innsbruck, das nach wie vor am Puls der Zeit neue Akzente für den immer wieder so engen Horizont der Stadt setzt.
 
Maurice Munisch Kumar

Quellen/Weitere Infos:

Windischer Jussuf: Jugend am Rande. Manuskripte. Innsbruck, 1978.

Becke Diether: Jubiläumsbroschüre. 35 Jugendarbeit des z6. Innsbruck, 2004.

Gostner Astrid: An den Rändern der Ordnung. 35 Jahre z6 Jugendsozial- und Kulturarbeit. In Gaismair Jahrbuch 2006 Innsbruck, 2006.

Sanders Gregor: Diplomarbeit/Soziale Bewegungen in Tirol. Innsbruck, 2010.