Workstation 1991
WORKSTATION 2015

Proberäume
ehemalige Konzertlokation
Veranstalter

1991 bis heute (2017)

Innsbruck, Dreiheiligenstrasse 9

Träger: Verein Workstation

Workstation

Die Workstation wurde 1990 im leerstehenden Keller des Jugendzentrums Z6 von einer Gruppe aktiver Musiker und Medienkünstlerinnen aus akuter Raumnot und fehlender Probemöglichkeit ins Leben gerufen. Über die Zeit wurden die Räumlichkeiten adaptiert und es entstanden professionelle Proberäume, ein Aufnahmestudio und ein Konzertraum, wo vor allem nach Schließung des Utopias 2001 und vor Eröffnung der p.m.k 2004 viele Konzerte stattfanden. Der Verein Workstation besteht bis heute und bietet momentan 30 Bands und 80 Musiker_innen räumliche Infrastruktur. Darüber hinaus werden regelmäßig Veranstaltungen lokaler wie auch internationaler Bands vor allem in der p.m.k. organisiert. 

Bevor jedoch der Keller des Z6 für Proberäume und Kleinveranstaltungen genutzt wurde und werden konnte, formierte sich zwei Jahre zuvor eine Gruppe, die sich zum Ziel setzte gemeinsam die lokale Misere schlechter Arbeitsbedingungen und nicht vorhandener Produktionsorte zu verändern. 

 Die Clique, welche die Workstation 1989 gründete, bestand größtenteils aus den Mietgliedern zweier WGs und waren ortsmäßig am ehesten dem Utopia verbunden. Die Gruppe um Werner Moebius, die Brüder Didier und Jochen „Yoshi“ Hampl, Hans Unterdorfer, Heidi Schleich, Renée Stieger und Hubert Prokop. Die männlichen Workstation Gründer waren fast ausschließlich als Musiker aktiv, die Frauen widmeten sich mehr Performances und multimedialer Gestaltung. Inspiriert von amerikanischen Vorbildern, kultureller Zentren wie der legendären New Yorker Knitting Factory, beschlossen die jungen, Motivierten im Mai 1990 einen Verein zur Förderung musikalischer und multimedialer Arbeitsprozesse zu gründen und schließlich im Juli 1990 mit der Kulturabteilung der Stadt Innsbruck und des Landes Tirol über die Förderung einer solchen Infrastruktur zu verhandeln. Noch bevor irgendwelche Förderzusagen eintrafen, begann die Gruppe bereits ausgehend vom bereits etablierten und subventionierten Utopia damit lokale Bandprojekte innerhalb verschiedener Programmschwerpunkte dem Publikum näher zu bringen. Dies passierte einerseits in Folge des Innsbrucker Sommers per Konzert im ehemaligen Fenner Kasernern Areal, anderseits verstärkt Anfang 1991 mittels einer ausgeweiteten neuen Programmschiene im Wiltener Utopia, bei dem ausschließlich regionale Bands veranstaltet wurden.

Die Verhandlungen mit den offiziellen Stellen der Stadt und des Landes zogen sich klassischerweise in die Länge und so passierte es 1991, dass unter Duldung der damaligen Z6 Leitung der Keller des Jugendzentrums in Beschlag genommen wurde. Nach ersten Monaten der Besetzung waren durch Adaptionen die prinzipielle Möglichkeit geschaffen dort musikalisch zu Proben und Tanzperformances zu erarbeiten. Man entschied sich schließlich Politiker zu einem Lokalaugenschein in die Räumlichkeiten der Workstation einzuladen und mit ihnen vor Ort die Situation zu diskutieren. Mit der lapidaren Aussage „Jetzt seid ihr eh schon hier“ war die Diskussion um die Örtlichkeiten beendet und positiv abgeschlossen.

Von nun an war das Projekt Workstation auf Schiene. Minimale Startförderungen und Eigenmittel aus Soli-Konzertveranstaltungen reichten um langsam aber sicher den Keller zu echten Proberäumen umzugestalten. Anfänglich gab es zwei Räume, die von verschiedenen Bands bespielt wurden und einen Vereinsbus, der für überregionale Auftritte genutzt werden konnte. Im ersten Jahr des Bestehens wurde dieser Bus von Werner Möbius und Didier Hampl auch dafür verwendet durch Österreich zu tingeln und bei sämtlichen Kulturinitiativen vorstellig zu werden und dabei das Projekt und Konzept der Workstation zu präsentieren. Resultat dieser Erkundungs- und Vernetzungsfahrten war die bald darauf in internetlosen Zeiten veröffentlichte Studie „Zwischen Subversion und Subvention“, welche 1991 über 400 Initiativen österreichweit kulturell kartographierte. Wichtig war diese Vernetzung mit anderen kulturtreibenden Stätten auf jeden Fall um lokale Bands zu „exportieren“. Bandprojekte der ersten Jahre waren Gruppen wie HCL, Slippery People, N.W.O.  (New World Order), T.D.O.L. und Ran Can Can

Nach der intensiven Aufbauzeit kam es nach und nach zu personellen Veränderungen.  Werner Möbius gab den Obmann an Didier Hampl ab, zog nach Wien und begann von dort aus mit ersten Veröffentlichungen beim damaligen Kassetten Label Trost an seiner musikalischen Zukunft zu arbeiten. Releases wie die von „Play The Tracks Of“ oder „Die Alleinunterhalterin“ . In Innsbruck hingegen tat sich zu der Zeit recht wenig, der Anfangselan war verpufft, Proberaumnutzungsalltag spielte sich ein. Auch fanden sich immer mehr Leute ein, die die Räumlichkeiten mehr zum Feiern und Drogenkonsum nutzten als als Arbeitsraum. Bevor jedoch alles zu sehr versiffte, änderte man Mitte der Neunziger den Kurs und stellte ein wenig mehr Regeln für die Nutzung der Workstation auf.

Ein weiterer Proberaum und ein Aufnahmestudio kamen hinzu und steigerten den Output der vorort probenden Bands. Alben der Atomcats, von Bug, Sweet Berserker, Turn Out einige Radiosendungen und vieles mehr konnte im Aufnahmeraum der Workstation realisiert werden. Weiters wurde bald darauf auch ein mobiles mehrspuriges Aufnahmegerät angeschafft, das bis heute in Verwendung ist. Perfekt für Live Mitschnitte von Konzerten und im Proberaum. In der Station selbst begann man zu der Zeit auch immer regelmäßiger Proberaum Gigs für damals maximal 40 Besucher zu veranstalten. Ab 1998 veranstalte man im regelmäßigen Abstand von neun Tagen das „phon.zimmer“, eine Konzertreihe, die den Proberaumbands ein gewisse Bühnenerfahrung, wenn auch nur in einem sehr kleinen, geschützten Rahmen verschaffte. Vom ursprünglichen Gründungsteam war zu der Zeit nur mehr Didier Hampl aktiv. Als dann schließlich 1999 Chris Koubek antrat frischen Schwung in die Keller der Dreiheiligenstrasse zu bringen, wechselten mit ihm nicht nur der Obmann, sondern vollzog sich der Generationenwechsel komplett. Koubek, 1998 als Musiker in Bands wie Pan Aroma und Am.Ar.Cord (zusammen mit Otto Horvath und Falko Purner), in die Workstation eingestiegen, entdeckte bald sein Interesse an organisatorischen Belangen und nach zwei  Jahren Zusammenarbeit mit Didier Hampl übernahm er er im Jahr 2000 alleine die Leitung der Workstation.

1999 erarbeiteten sie noch gemeinsam das Konzept der „Apokalypse Blue“, einem bunt gemischten multimedialen, performativen Musikabend im Rahmen des  von der Haller Galerie St. Barbara organisierten Osterfestivals. Zum Thema „Endzeiten | Amazonas“ wurde ein breites, von vierzig MusikerInnen, Bands, KünstlerInnen und Performern umgesetztes Konzept erarbeitet, das in einer dreistündigen Soundperformance einen ausverkauften Stadtsaal mit klarer Avantgarde begeisterte. 2000 folgte eine weiterer Schwerpunkt performativer Soundinstallationen. „Input-Station-Output“ bespielte über eine Woche Orte wie die SOWI Universität, den Hauptbahnhof und den Kunstraum Innsbruck, mit Konzerten, Performances und Projektionen zum Thema der sich stetig verändernden öffetlichen Räumen. Auftritte von Hecker, Porter Ricks, Radian, Renee Stieger, Werner Möbius u.v.m. Standen im Zentrum dieses Festivals.

2001 schloss die Baupolizei kurzzeitig die Räumlichkeiten, es gelang aber innerhalb kurzer Zeit mit der für Kulturangelegenheiten zuständigen Stadträtin Hilde Zach den Weitererhalt der Proberäume längerfristig zu sichern. Mit einem weiteren Umbau und der Neugestaltung änderte sich auch die Hauptnutzung der Workstation. Mehr und mehr verschiedene Gruppen, die sich nach Schließung des Utopias formiert hatten, um weiter die für sie interessante Musik in Innsbruck live erleben zu können, fanden in Innsbrucks geheimen Avantgarde-Keller ein Zuhause. Crews wie NLK-Kultur, Choke Media Empire, die Grauzone, Structure Research, auch aber Veranstalter wie Innpuls und Djs Aus Mitleid sorgten nach 2001 dafür, dass der Keller sich für Innsbrucks bestes Konzertprogramm verantwortlich zeigte. Die Konzerte und DJ Abende wurden meist per Mund-zu-Mund Propaganda beworben, öffentliches Plakatieren war auf Grund verschiedener berhördlicher Auflagen nicht möglich. Man musste als Veranstalter also die besten Acts verstecken und dennoch versuchen genug Leute zum Konzert zu bringen.

Konzerte mit damals noch unbekannten Acts wie The National, Mocky, Oxbow, den Black Lips, Dälek, Apparat, Bierbeben, Legowelt, The Bug, Jeru The Damaja, DJ Vadim, Keelhaul, Donna Summer oder österreichischen Acts  wie Valina, Mono & Nikitaman oder den Staggers sorgten für unvergessliche Nächte für das wissende Publikum. Die Initiativen professionalisierten ihre Konzertveranstaltertätigkeit und so war es nur eine logische Folge, dass immer mehr der Wunsch aufkam, sich nicht mehr verstecken zu müssen und die Acts einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Teilweise versuchte man öffentliche Plätze zu bespielen, meist in Folge subventionierter Projekte, wie beispielsweise 2002 das Siebenkapellen Areal. „3x7 = Feiner Sound“ holte mit Techno Animal und Ruins die Speerspitze musikalischer Innovation in die Stadt am Inn. Dennoch fehlte ein eigener Raum. Die Gründung der p.m.k. - Plattform mobile Kulturinitiativen – stand an. Ein neuer öffentlicher Raum für Veranstaltungen sämtlicher Musikrichtungen musste her. In der Workstation waren die Konzerte und Parties zwar richtig Underground, dennoch aber auch stets eine gewisse Gefährdung für die Proberaum Infrastruktur. Sollte jemals etwas passieren, wären zu dem Zeitpunkt fünfundzwanzig Bands ohne Probemöglichkeit auf der Straße gestanden. Immer mehr und mehr Menschen bekamen inzwischen Wind von den Veranstaltungen in den Kellergewölben. Und da mit der Masse auch immer mehr Menschen kommen, denen Veranstaltungsorte komplett egal sind, solange sie dort ausgelassen feiern können, beschloss man nach und nach die Veranstaltungen mehr zu reglementieren. So gab es beispielsweise die Regel, dass lokale bzw. Workstation Bands immer Vorzug gegenüber Fremdveranstaltungen haben und dass maximal zwei Abende der Woche überhaupt geöffnet werden durfte.

Parallel dazu schritt das Konzept der p.m.k. immer weiter voran. Nachdem sich die Verhandlungen über die Nutzung des Dachgeschosses des neugebauten M-Preis Markets an der Sill zerschlagen hatten, formierte sich eine Gruppe, die per Hausbesetzung der Minatti Halle im Workstation Innenhof ein klares Zeichen in Richtung mehr kulturellem Freiraum setzen wollte. Die Folge aus Besetzung samt gleichzeitiger strategischer Gespräche mit der Stadt und intensiver PR waren erfolgreich und legten den Grundstein für die p.m.k. in ihrer heutigen Form – dem Kulturzentrum in den Viaduktbögen. Als schlussendlich 2004 dort die Veranstaltungstätigkeit aufgenommen wurde, war die Workstation als Ausgangspunkt sowie Veranstalterlehrstätte für viele der nun dort aktiven Gruppen zu sehr großem Teil dafür verantwortlich, dass heute immer noch ein breites Spektrum verschiedener Szenen in Innsbruck kulturell bedient werden.

In der p.m.k. traten nun die Initiativen selbstständig auf oder kollaborierten weiter mit der Workstation, die programmmäßig vor allem von Chris Koubek, Jakob Völkl und Philipp Angerer geleitet wurden. Punk, Free-Jazz, Breakcore, Hip-Hop, Rock, Techno aber auch ruhigere Ambient Abende gingen auf das Veranstalterkonto der Workstation. In den Kellern des Z6s kehrte nach Jahren der Vielfeierei wieder Proberaumnutzungsalltag ein. Mit dem Bau von Stadtwohnungen anstelle der abgerissenen Minattihalle im Hof vom Jugendzentrum Z6, Workstation, dem Obdachlosen Wohnheim Alexi-Haus und der Waldorf Schule, direkt neben der Eisenbahn Linie, war es auf Grund permanenter Lärm-Beschwerden vorbei mit Veranstaltungen im inzwischen legendär gewordenen Keller der Workstation. Heutzutage proben ungefähr achtzig MusikerInnen in fünfundzwanzig Bandprojekten in Innsbrucks größtem Proberaumkonstrukt.

Albi Dornauer

Quellen/Weitere Infos:

www.workstation.or.at